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 Das Museum als „Tempel“ oder „spirituelles Endlager“? 

Ein Workshop der LÜBECKER MUSEEN, des Centrums für Religionswissenschaftliche Studien an der Ruhr Universität Bochum und des Zentrums für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZKFL) vom 22. bis 23. September 2025 im Museumsquartier St. Annen 

In den letzten Jahren hat es eine Reihe von Forschungsprojekten und Fachtagungen gegeben, die sich mit kulturell sensiblen Museumsbeständen, wie sterblichen Überresten oder Sakralobjekten aus fernen Weltgegenden, befasst haben. Es wurden Provenienzen rekonstruiert, Herkunftsgemeinschaften konsultiert und Rückgaben initiiert. Für die konkrete Arbeitspraxis im Museum wurde meist aber nur sehr vage für einen sensibleren Umgang geworben oder von Ausstellungen potenziell spirituell bedeutsamer Objekte gänzlich abgeraten. Weitaus weniger Aufmerksamkeit erhielt hingegen die Frage, inwiefern religiöse Überzeugungen, rituelle Praktiken oder Glaubensvorstellungen rund um Exponate in Ausstellungen vermittelt und praktisch ausgelebt werden können. Oder wie deren ‚Sensibilität‘ auch jenseits der Öffentlichkeit, etwa bei der Gestaltung von Depots, der Digitalisierung oder in der restauratorischen Arbeit berücksichtigt werden kann. Zudem beschränkt sich diese Debatte bislang weitgehend auf ethnologische Museen, obgleich es auch in kunst- und kulturhistorischen Häusern z.B. katholische Reliquien, orthodoxe Ikonen, buddhistische oder hinduistische Skulpturen gibt, denen Gläubige ebenfalls eine religiöse Bedeutung zusprechen. 

Museen gelten traditionell als Orte westlicher Wissenschaften aber weniger als Stätten religiösen Lebens. Dabei hat auch das europäische Publikum seit jeher starke Gefühle, ja vielleicht sogar ein gewisses Unrechtsbewusstsein, hinsichtlich der Erforschung und Ausstellung von Sakralobjekten und sterblichen Überresten entwickelt. Von den ambivalenten Empfindungen früherer Missionare, die in den Kolonialgebieten Zeugnisse einheimischer Glaubensvorstellungen sammelten, bis zum sprichwörtlichen „Fluch der Mumie“ finden sich hierfür zahlreiche Beispiele. Auch das Personal deutscher Museen kann manche Geschichte über vermeintlich unerklärliche Phänomene im Umgang mit sensiblen Beständen berichten oder hat derartige Überzeugungen bei Besuchen von Delegationen aus den Herkunftsgemeinschaften kennengelernt. Und schließlich haben wir es in den Museen zunehmend mit einem spirituell interessierten Publikum zu tun. Neben Gästen, die Ausstellungen als Orte einer persönlichen esoterischen Sinnsuche jenseits des Angebots christlicher Kirchen nutzen, wächst eine neue Generation heran, die geprägt von Animes und Mangas bereits unbewusst mit vielen Aspekten ostasiatischer Religionen vertraut ist. Andererseits ist jedoch zu vermerken, dass selbst fundamentale christliche Symbole vielen Jugendlichen heute nicht mehr geläufig sind und in der Museumsarbeit z.T. von Grund auf neu vermittelt werden müssen. 

 Ziel dieses Workshops ist es also, nach neuen Wegen des Miteinanders von Wissenschaft und Spiritualität in der musealen Vermittlungsarbeit zu suchen und dabei v.a. mit den Betroffenen selbst, also Repräsentant:innen verschiedener Glaubensrichtungen, ins Gespräch zu kommen. Angehörige archäologischer, kunst- und kulturhistorischer sowie ethnologischer Museen sollen einerseits die Gelegenheit erhalten, mit den eingeladenen Vertreter:innen verschiedener Glaubensgemeinschaften in Austausch zu treten, um deren Bedürfnisse und Empfehlungen kennenzulernen. Andererseits sind Fachleute aus der Museumswelt dazu aufgerufen, eigene Erfahrungen im Spannungsfeld von Wissenschaft und Spiritualität in den Bereichen Ausstellung, Depot und Digitalisierung als selbstkritische Reflexionen oder GoodPractice-Beispielen vorzustellen. 

Vorschläge für max. 20-minütige Vorträge sollten ein halbseitiges Abstract sowie biographische Angaben enthalten und bis zum 10. August 2025 unter skw@luebeck.de eingereicht werden. Sofern keine andere Finanzierungsmöglichkeit besteht, können Referierende von den Lübecker Museen eine finanzielle Unterstützung für die Reise- und Übernachtungskosten erhalten.